Workshop in Jamaika Teil 2 von 3

Wir sind eine kleine Gruppe. Zwei Modelle, ein Trainer und fünf Workshopteilnehmer. Vorteil ist, dass Scott mehr Zeit für uns hat – er kann sich besser auf die Fotografen einstellen als bei fünfzehn und mehr Teilnehmern. Und davon profitiere ich enorm. Die Woche kommt fast einem Einzeltraining gleich. Täglich habe ich die Möglichkeit mit ihm meine Ergebnisse des Tages zu besprechen. Wir unterhalten uns viel über Ehrlichkeit unter Fotografen, über Könner und Marktschreier über technischen Fortschritt und analoge Fotografie. Kurzum über alles was Fotografie und der Beruf vor 50 Jahren war und heute ist. Und es ist gut zu hören, dass die Herausforderungen am anderen Ende der Welt nahezu die gleichen sind, wie zu Hause.
Gurm ist ebenfalls einer der Workshopteilnehmer, auch er ist ein mittlerweile international ausgezeichneter Fotograf. Seine Spezialitäten sind indische Hochzeiten. Neben solchen Könnern steigt die Lernkurve enorm an, doch trotzdem fühlt man sich wie ein blutiger Anfänger. Zwischen den Shootings, Unterrichtseinheiten und am Abend sitzen wir beisammen diskutieren über unsere Erfahrungen und das Lieblingsthema der Fotografen, die Fotografie ☺. Das ist wohl der größte Pluspunkte einer internationalen Ausbildung. Man sammelt Erfahrungen und gleichzeitig bekommt man Freunde auf der ganzen Welt. Wochen wie diese verbinden unheimlich und die neuen Medien helfen dabei in Kontakt zu bleiben.
Wir suchen nach Amateurmodellen. Manchmal sind es Hotelgäste und manchmal Einheimische. Profis haben wir diesmal kaum, allerdings gibt es das selten in unserem Job. So gut wie alle unsere Hochzeitspaare sind keine professionellen Fotomodelle. Wir müssen ihnen Anweisungen geben wie sie sich bewegen sollen, um ein gutes Foto zu machen. Und Menschen in einer anderen Sprache zu dirigieren, ist eine noch größere Herausforderung.
Eines Abends gehen wir auswärts Essen. Chef der Bar ist „Captain Black“. Man stelle sich einen Piraten vor, nehme ihm Augenklappe und Mütze ab und schon steht Captain Black da. Er hat ein Boot, das wir am nächsten Tag mieten, um an einen einsamen Strand zu fahren. Dort sollten einheimische Modelle auf uns warten. Naja, sagen wir mal, wir warten dort auf Sie. Der Strand und das Boot sind traumhafte Motive, um Menschen in diesen Bildern festzuhalten. Es scheint als sei hier die Zeit stehen geblieben. Nur kleine Solarpanele hinter der Bar erinnern an ein modernes Zeitalter. Einen Hummer später kommen unsere Modelle und wir setzen Gelerntes um.
Eine weitere Methode, die ich an Scotts Workshops besonders schätze ist, dass man selbst mit den Modellen arbeiten kann. Scott gibt ihnen keine Anweisungen und lässt dann die Teilnehmer alle dasselbe Foto machen. Der Lerneffekt dabei wäre gleich null. Bei seinen Workshops muss man selbst kreativ werden, Gesehenes umsetzen und Fehler begehen um daraus zu lernen. Und das immer mit einem Trainer im Hintergrund, der zu jedem Foto etwas zu sagen hat. Er lobt und wenn nötig übt er auch heftig Kritik.
Neben unseren Modellen gabeln zwei unserer Workshopteilnehmer noch eine deutsche Frau auf, die für uns modeln will. Sie nennt sich „Caribbean Libby“. Sie ist seit sechs Monaten hier. Auf näheres Nachfragen erzählt sie uns, dass sie in der Schweiz ein Escort Service betreibt. Neben Fotos im Hochzeitskleid hätte sie auch noch gerne welche ohne. Ich hätte aus dem Stand zehn Fotografen nennen können, die sofort beim zweiten Teil dabei wären, doch hier ist das anders. Die Männer in treten den Rückzug an. Die Dame in der Runde muss diesen Job für das Team übernehmen.
In dieser Umgebung denke ich viel über neue Ideen nach. Jeden Morgen um sechs Uhr schleiche ich mit meinem Notebook aus dem Zimmer, um mit Karin zu telefonieren. Wir entwickeln gemeinsam ein Konzept aus neuen Ideen. Zwischen Negril und Pinsdorf blitzen neue Ideen hin und her und am Ende der Woche ist ein neuer Plan entstanden, den wir in den kommenden zwei Jahren umsetzen wollen. Auch das ist ein schöner Nebeneffekt von einem internationalen Workshop.

Letzter Teil folgt kommende Woche

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